Die unbehandelte Holzfassade

Ist eine unbehandelte Holzfassade nachhaltiger?

Welche Fassade sieht am eigenen Haus am besten aus? Ist eine unbehandelte Holzfassade nachhaltiger als eine gestrichene Fassade und welche Holzart ist robust und schön zugleich? Aufgrund typischer Fragen unserer Bauherren haben wir einen kleinen Text zum Thema Holzfassaden verfasst.

Die Geschichte der Holzfassade
Kleine_alte_Holzhütte_mit_einer_unbehandelten_Holzfassade

Unbehandelte Holzfassaden haben eine lange Tradition. Wer darauf achtet, findet unzählige, zum Teil auch historische Gebäude, an denen Bewitterungen vieler Jahrzehnte ihre Spuren hinterlassen haben.

Der Terminus „facciata“ (ital. „Vorderseite“) leitet sich von dem italienischen Wort „faccia“ ab, der übersetzt „Gesicht“ bedeutet. Im heutigen Verständnis von einer Fassade erstreckt sich die „Gesichtsseite“ eines Hauses über seine gesamte Außenfläche. Fassaden können bekanntlich aus verschiedenen Materialien sein. Als Beispiel können wir hier Natursteinfassaden, Glasfassaden, Putzfassaden oder Holzfassaden nennen. Auch Mischformen der Fassadenbekleidungen sind gängig und beliebt. Jedoch hat vor allem eine unbehandelte Holzfassade viele Vorzüge, auf die wir im Folgenden eingehen möchten.

In den meisten Fällen handelt es sich bei gestrichenen oder unbehandelten Holzfassaden um hinterlüftete Bekleidungssysteme, die die Aufgabe haben, die Außenwände eines Gebäudes vor Witterungseinflüssen zu schützen. Dabei muss die Holzbekleidung der Fassade nichts über die Bauweise eines Hauses verraten. Hinter einer Holzfassade kann sich sowohl ein Holzrahmenbau als auch ein Mauerwerksbau verstecken.

Holz zählt zu den ältesten Fassadenbekleidungsmaterialien in der Geschichte der Menschheit und hat sich bis heute einen bedeutenden Anteil bei den vorherrschenden Fassadenarten erhalten – trotz ständig wachsender technischer Anforderungen oder sich ändernden architektonischen Moden. Nicht nur die zunehmende Beliebtheit des Materials Holz im Bauwesen, sondern auch die aktuellen Fragestellungen um die geeignetsten Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels haben die Diskussion um nachhaltige Fassadenbekleidungen entfacht. Im Vergleich der drei hierzulande gebräuchlichsten Fassadenvarianten – der Holzfassade, der Putzfassade und der Verblendsteinfassade – ist die Holzfassade mit Abstand die nachhaltigste Fassadenart. Eine Holzfassade verursacht von der Materialgewinnung über die Bearbeitung bis hin zum Transport zur Baustelle mit Abstand am wenigsten CO2 und besitzt somit den geringsten ökologischen Fußabdruck aller Fassadenarten. Noch deutlicher wird dieser Vorteil, wenn die Bauherren eines Bauprojektes sich für eine unbehandelte Holzfassade entscheiden, bei der die Fassadenhölzer nicht gestrichen oder lasiert werden.

Welche Holzarten eignen sich für eine Holzfassade?
Eine unbehandelte Lärchenholzfassade in Rhombus-Leistenoptik

Eine unbehandelte Lärchenholzfassade in Rhombus-Leistenoptik. Diese Fassade auf dem Foto ist 5 Jahre alt und hat inzwischen eine silbergraue Färbung angenommen. Ein Schutzanstrich wird bei Fassadenhölzern der Gebrauchsklasse 3-4 nicht benötigt

In unseren Breitengraden sind für Fassadenbekleidung besonders heimische Nadelhölzer wie Fichte, Tanne, Kiefer, Lärche und Douglasie gut geeignet und folglich sehr verbreitet. Diese Hölzer eignen sich besonders gut, weil sie regional verfügbar sind und infolgedessen traditionell schon immer als Fassadenbekleidungen eingesetzt wurden. Außerdem punkten sie wegen der hohen Nachfrage mit einem günstigen Preisleistungsverhältnis. Alle heimischen Hölzer, die als Fassadenbekleidung zum Einsatz kommen, entstammen in der Regel einer nachhaltigen Forstwirtschaft. Hölzer aus einer nachhaltigen Forstwirtschaft sind durch entsprechende Zertifizierungen (FSC oder PEFC) gekennzeichnet.

Grundsätzlich sind Fassadenhölzer in zwei Gebrauchsklassen zu unterteilen: in die Gruppe der Fassadenhölzer, deren Oberflächen für den Einsatz als Fassadenbekleidung einen Schutzanstrich erhalten müssen (Gebrauchsklasse 4, nicht zu verwechseln mit der Klasse 3-4) und in die Gruppe, die unbehandelt in Außenbereich, beispielsweise als unbehandelte Holzfassade verbaut werden dürfen (Gebrauchsklassen 1 bis 2, 2 und 3-4). 

 

Welche Hölzer eigenen sich besonders für unbehandelte Holzfassaden?

Gerade bei Häusern ohne Dachüberstand und wenig schattenwerfenden Bäumen in der Nähe, gelingt der "Vergrauungsprozess" der Fassaden meist ohne optische Beeinträchtigen.

Während die Oberflächen von Fassaden aus Fichten- oder Tannenholzprofilen (mit Ausnahme der Weißtanne) durch einen besonderen Anstrich vor Bewitterung geschützt werden müssen, benötigen die Hölzer der Gebrauchsklasse 3 bis 4 (Lärche, Kiefer, Douglasie) oder auch Laubhölzer wie Eiche und Robinie (Gebrauchsklasse 1 und 2) aus fachlicher Sicht diesen Schutzanstrich nicht. Daher sind sie für einen Einsatz als unbehandelte Holzfassade besonders geeignet. Durch ihren hohen Eigenharz- bzw. Ölanteil sind diese Fassadenhölzer in der Lage, sich selbst zu schützen. Durch Wind, Sonne und Regen können unbehandelte Holzfassaden dieser Holzarten an der Außenluft innerhalb nur weniger Monate vergrauen und schaffen sich hierdurch einen eigenen Schutz. Denn durch die Bewitterung löst sich das holzeigene Lignin aus der Oberfläche des Holzes und wird herausgewaschen. Das Holz verliert so die Art von Nährstoffen, die für das Wachstum von Algen, Pilzen und Flechten benötigt werden. Da so diese Pflanzen und Pilze an den vergrauten Fassadenflächen keine Nährstoffe finden können, bleiben diese Flächen frei von Bewuchs und anderen unschönen Verfärbungen. Gerade moderne Gebäude mit Flachdächern oder generell Häuser ohne Dachüberstand begünstigen das ebenmäßige, einheitliche Vergrauen der Fassadenhölzer einer unbehandelten Holzfassade, da die Bewitterung durch Regen und Sonne gleichmäßig und ungehindert auf die Fassadenfläche einwirken kann. Eine hölzerne Fassade ist also in der Lage, sich selbst ganz ohne Fassadenanstrich durch den Vergrauungsprozess zu schützen.

Wie lange hält eine unbehandelte Holzfassade im Vergleich zu einer gestrichenen Holzfassade?

Eine unbehandelte Holzfassade kann so lange halten wie das Haus selbst. Es hängt davon ab, welche Qualität das Fassadenholz besitzt und die Fassade sollte ausreichend hinterlüftet sein.

Eine unbehandelte Holzfassade in Lärche oder Douglasie besitzt in etwa dieselbe Lebensdauer wie eine lasierte oder gestrichene Holzfassade in Fichte oder Tanne. Während die Oberflächen der gestrichenen Holzfassade immer wieder durch eine Erneuerung des Anstrichs vor den Einflüssen der Bewitterung geschützt werden, ist eine unbehandelte Holzfassade der Bewitterung direkt ausgesetzt. Auch wenn die Holzarten Lärche, Douglasie oder auch Weißtanne von Grund aus härter und harziger sind als Fichten- bzw. Tannenholz erzeugt die Bewitterung einen gewissen Abrieb, ca. 0,1 mm pro Jahr.

Gemäß dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung in der Publikation „Lebensdauer von Bauteilen und Bauteilschichten“ (Download: Lebensdauer von Bauteilen.pdf) Quellenangabe ist so unvollständig, Publikation nicht auffindbar) beträgt die durchschnittliche Lebensdauer von bekleideten bzw. gestrichenen Weichholzfassaden zwischen 45 und 70 Jahren. Die Lebensdauer von unbehandelten Holzfassaden ab der Gebrauchsklasse 3 beträgt ebenso 45 bis 70 Jahre.

Eine unbehandelte Holzfassade bietet demnach einen ebenso dauerhaften Schutz wie eine Holzfassade, die in regelmäßigen Abständen gestrichen wird. Darüber hinaus ist die unbehandelte Holzfassade jene Fassade, die mit Abstand den geringsten Anteil grauer Energie emittiert, den geringsten Pflegeaufwand benötigt sowie bei einer thermischen Endverwertung die geringsten ökologischen Belastungen hinterlässt. Durch die im Laufe der Lebensdauer eingesparten Anstriche ist eine unbehandelte Holzfassade trotz der etwas höheren Materialkosten in der Anschaffung aufgrund des qualitativ hochwertigeren Holzes die Günstigste aller Fassadenbekleidungen.

 

Konstruktiver Holzschutz: Dachüberstand, ja oder nein?

Konstruktiver Holzschutz, wie z.B. ein Dachüberstand kann bei einer unbehandelten Holzfassade zu optischen Beeinträchtigungen  führen. Besser kommen vorvergraute Holzfassaden mit Dachüberständen zurecht.

Eine vorherrschende Meinung besagt, dass ein Dachüberstand eine wichtige Schutzfunktion für die Fassade übernimmt. Dies mag in südlichen und vor allem bergischen Regionen Deutschlands zum Teil zutreffen, für den Norden Deutschlands gilt dies allerdings nicht. Der Regen im Norden kommt meist von der Seite und fällt nur selten von oben. Der Dachüberstand schützt, wenn überhaupt, den Übergang der Fassade in das Dach. Hier befindet sich in der Regel der Austritt der Lüftungsebene. Durch einen kleinen Dachüberstand ist dieser neuralgische Übergangspunkt besser und vor allem günstiger geschützt als durch ein sonst erforderliches Zinkprofil zur Überdeckung der Luftschicht.

Bei einer unbehandelten Holzfassade sorgt ein Dachüberstand jedoch eher für optische Irritationen in Bezug auf ein ebenmäßiges Vergrauen der Fassadenflächen. Weil die Sonne die vom Dachüberstand beschatteten Fassadenflächen nicht erreicht, können diese Flächen nicht gleichschnell vergrauen, wie die Flächen, die von der Sonne erreicht werden. Das daraus resultierende unregelmäßige Fassadenbild ist nicht jedermanns Geschmack.

Ist eine vorvergraute Holzfassade eine Alternative zur unbehandelten Holzfassade?

Eine mit eine speziellen Lasur vorvergraute Holzfassade ist eine gute Alternative zur unbehandelten Holzfassade, vor allem dann, wenn in der Nähe Bäume stehen, die die Fassade über einen längeren Zeitraum beschatten.

Für Bauherren, die sich die natürliche Optik einer vergrauten, unbehandelten Holzfassade für ihre Hausfassade zwar gut vorstellen können, sich aber die Übergangsjahre mit einer von Jahr zu Jahr wandelnden, eher weniger homogenen Fassade ersparen möchten, gibt es natürlich auch eine Alternative. In diesem Fall greifen wir auf sogenannte vorvergraute Fassadenprofile zurück. Die mit einer Vergrauungslasur vorbehandelten Hölzer nehmen das natürliche Vergrauen einer unbehandelten Holzfassade vorweg. Die hier auf dem Markt angebotenen Lasuren haben unterschiedliche chemische Aufbauten und unterschiedliche Haltbarkeitsdauern. Die Idee aller Vergrauungslasuren ist jedoch gleich: Die Fassade wird nur ein einziges Mal gestrichen, nämlich vor der Montage. Wird die Lasur im Laufe der Zeit durch die Witterungseinflüsse abgebaut, hat das Holz schon längst unter der immer dünner werdenden Lasur seinen natürlichen Grauton angenommen.

Daher erkennen nur sehr aufmerksame Betrachter aus nächster Nähe, in welchen Fassadenbereichen sich noch Vergrauungslasur befindet und in welchen Bereichen die Fassade bereits ihre natürlich vergraute Oberfläche besitzt.

Ist ein Haus mit einem Dachüberstand geplant oder befinden sich viele Schatten werfende Bäume in unmittelbarer Nähe des Hauses, empfehle ich den Bauherren eine Fassade, die mit einer Vergrauungslasur beschichtet ist. Steht das Haus frei und ist zudem als ein modernes Haus ohne Dachüberstände geplant, sehe ich die naturbelassene, unbehandelte Holzfassade eindeutig im Vorteil.

Welche Anordnung bei der Holzfassade: Senkrecht, diagonal, waagerecht oder doch lieber in Plattenform?

Wird bei der Planung des Hauses der Sockel vergessen, leiden gerade senkrechte Fassadenbretter unter der Bodenfeuchtigkeit. Besonders ärgerlich, dass die Fassadenbretter komplett ausgetauscht werden müssen.

Die Auswahl möglicher Profilvarianten und Plattenformate für Holzfassaden ist nahezu unerschöpflich. Dies wirft die Frage auf, welche Profil- bzw. Faserausrichtung des Fassadenholzes im Sinne der Langlebigkeit einer Holzfassade die beste Wahl ist? Allgemein bekannt ist, dass Wasser an senkrechten Holzprofilen wesentlich schneller ablaufen kann als bei waagerecht montierten Holzprofilen. Demzufolge ist auch die Beanspruchung durch Holzfeuchte bei waagerechter Profilanordnung entsprechend höher. Daraus ließe sich schließen, dass eine senkrechte Anordnung der Fassadenhölzer für die Lebensdauer der Fassade günstiger ist.

Jedoch besitzen senkrecht montierte Fassadenprofile am unteren Ende der Bretter Hirnholz. Dieses Hirnholz ist sehr empfindlich, weil es bei Bewitterung vermehrt Wasser ausnimmt. So kommt es im Bereich des Sockels bei senkrechter Profilanordnung schneller zu Verfärbungen und kleinflächigen Schadstellen. Da die Anordnung der Hölzer aber senkrecht ist, müssen aus optischen Gründen häufig die Profile über ihre ganze Höhe ausgetauscht werden, wenn ein Schaden im Sockelbereich entstanden ist. Bei waagerecht angeordneten Fassadenprofilen entsteht dieses Problem erst gar nicht, da sie kein Hirnholz besitzen, welches offen in Richtung Sockel ausgerichtet ist. Außerdem wäre ein problemloser Austausch der unteren zwei oder drei Profilhölzer möglich, um einen vergleichbaren Schaden zu beheben. Aus optischen Gründen mögen senkrecht angeordnete Fassadenprofile einen sehr großen Reiz besitzen, die waagerechte Anordnung der Fassadenhölzer ist jedoch die nachhaltigste Form der Holzfassade.

Ihr Ansprechpartner

Fred Kröger
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